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Erstellung eines automatischen Handelssystems ohne Zeitverlust

27 Januar 2016, 10:03
MetaQuotes Software Corp.
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Kein automatisches Handelssystem ohne Handelssystem

Der Handel auf den Finanzmärkten ist mit einer Vielzahl von Risiken verbunden, unter denen das gefährlichste darin besteht, eine falsche Handelsentscheidung zu treffen. Jeder Händler träumt davon, sich selbst durch ein automatisches Handelssystem zu ersetzen, eine Maschine, stets in Bestform, unerschöpflich und frei von menschlichen Schwächen wie Angst, Raffgier und Ungeduld.

Erstellung eines automatischen Handelssystems ohne Zeitverlust

Jeder Neueinsteiger hätte gerne ein verständliches und stringentes Handelssystem oder würde gerne eines entwickeln, das in die Sprache der Algorithmen übersetzt werden könnte und ihm sämtliche Routinearbeiten abnehmen würde. Ist so etwas möglich?

Das Vorhandensein eines Handelssystems ist eine notwendige Bedingung für den Handel, und dieses System muss natürlich gewinnbringend sein. Bei seinem Eintritt in den Markt bricht über jeden Neuling buchstäblich eine Lawine von Informationen herein, mit der nicht so einfach klar zu kommen ist. Hilfe findet sich in Büchern und Händlerforen.

Leider ist nicht jeder Autor ein erfolgreicher Börsenhändler und nicht alle erfolgreichen Händler schreiben Bücher. Zahlreiche Hilfsmittel dienen nur dem Wohlstand ihrer Anbieter, da es wesentlich schwieriger ist, auf eigene Rechnung zu handeln, als Prognosen abzugeben und Handelssysteme zu erklären.

Jeder Händler sollte alle Stadien der Erstellung eines eigenen Handelssystems selbst durchlaufen. Es heißt nicht umsonst: „Es ist unwichtig nach welchem System man handelt, Hauptsache man handelt tatsächlich nach diesem System.“ Ohne ein solches verwandelt sich der Handel in ein Glücksspiel mit absehbarem Ausgang.


Automatische Handelssysteme im Devisenhandel

Der Devisenmarkt gilt als äußerst liquide und ermöglicht im Gegensatz zu zahlreichen anderen Märkten den Handel rund um die Uhr. Aus diesen Gründen bemühen sich zahlreiche Devisenhändler darum, gerade für diesen Markt automatische Handelssysteme zu entwickeln, da er eine recht große Zahl von Instrumenten bietet.

Skeptiker weisen gleichwohl darauf hin, dass alle Währungspaare in Wahrheit sehr eng miteinander verbunden sind, was zu einer sehr geringen Unbeständigkeit des Devisenmarktes führt. Ihre Widersacher halten dagegen, dass jedes Währungspaar ungeachtet alles wechselseitigen Abhängigkeiten seine eigenen Eigenschaften besitzt und die geringe Unbeständigkeit durch eine große Hebelwirkung aufgewogen wird.

Wie auch immer sind die Instrumente für den Devisenhandel für die Erstellung automatischer Handelssysteme verlockend, und die Mehrzahl der Anhänger des automatisierten Handels schult ihre Fertigkeiten an Währungspaaren.

Die Anwenderprogramme der Handelsplattformen MetaTrader 4 und MetaTrader 5 wurden eigens zur einfachen Erstellung automatischer Handelssysteme entwickelt, wobei ihre gut durchdachte Oberfläche sich jedoch auch für den manuellen Handel eignet.


Wo fängt man mit der Erstellung eines automatischen Handelssystem an?

Es gibt eine Vielzahl von Ansätzen zum Aufbau eines automatischen Handelssystems. Wir konzentrieren uns hier auf die wesentlichen.

Der erste Ansatz beruht auf der Mathematik, auf dem Versuch, eine Formel zu finden, in die eine Vielzahl von Faktoren eingeht. Dieser Ansatz fußt auf der festen Überzeugung, dass dem Verhalten der Kurse ein bestimmtes Modell zugrunde liegt, das man anhand der vorhanden Verlaufsdaten nur identifizieren oder erraten muss.

Die Verfechter dieses Ansatzes verstehen häufig allzu viel von Mathematik, aber nichts vom Markt oder interessieren sich nicht für ihn. Der Markt ist für sie reine Fiktion, eine Art intellektuelles Spiel. Dieser Ansatz führt gewöhnlich zu langjährigen Studien und Entwicklungen, deren Ergebnis in Form eines funktionierenden automatischen Handelssystems im Grunde irrelevant ist.

Der zweite Ansatz hat seine Grundlage im Studium der Marktgesetze. Dabei wird gar nicht erst versucht zu verstehen, warum ein Kurs beim Erscheinen bestimmter Symbole der technischen Analyse im Kursdiagramm steigt oder fällt. Der Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass er keine besonderen mathematischen Kenntnisse erfordert und keinerlei Spekulationen über die Triebkräfte des Marktes anstellt.

Er ist leicht zu verstehen und für das Studium des Handels überaus geeignet. Außerdem erfreut er sich unter Händlern großer Beliebtheit und ist allgemein anerkannt. Sein Nachteil ist die Notwendigkeit, den Markt und alle erforderlichen Instrumente stets im Auge haben zu müssen.

Letztlich fängt jeder Händler an, über die Automatisierung von Handelsvorgängen nachzudenken, und dabei zeigt sich dann das wesentliche Problem: die Schwierigkeit der Bildung von Formeln für die Marktgesetze bei dem Versuch diese in die Sprache der Algorithmen zu übersetzen. Händler, die versuchen, ein automatisches Handelssystem bei professionellen Anbietern in Auftrag zu geben, können die Marktgesetze häufig nicht genau formulieren und finden keine gemeinsame Sprache mit den Programmierern.

Der dritte Ansatz basiert auf dem Versuch, mithilfe vorgefertigter, auf dem Markt in besonderen Programm- und mathematischen Paketen reichlich verfügbarer Instrumente eine „Black Box“ auf der Grundlage neuronaler Netze zu entwickeln. Die Schaffung eines eigenen automatischen Handelssystems unter Verwendung von Elementen künstlicher Intelligenz ist eine auch für Neueinsteiger überaus interessante und verlockende Aufgabe, da sie weder weitreichende mathematische Vorkenntnisse noch Programmiererfahrung erfordert, alles erfolgt mit visuellen Hilfsmitteln.

Was der Händler mitbringen muss, sind Grundkenntnisse der technischen Indikatoren, die Fähigkeit zur Aufbereitung der erforderlichen Kursdaten sowie Erfahrung im Umgang mit dem betreffenden Paket für die Arbeit mit neuronalen Netzen. Hauptmanko dieses Ansatzes ist der Umstand, dass das mithilfe derart spezialisierter Instrumente für die Arbeit mit neuronalen Netzen entwickelte automatische Handelssystem tatsächlich nichts weiter als eine Black Box ist. Der Händler selbst weiß nicht, wie es arbeitet, und es ist im Allgemeinen nicht vorhersehbar, welche Marktphase ihm nicht gefällt.

Programmierer entscheiden sich häufig für den vierten Ansatz, sie fangen gleich mit der Erstellung eines automatischen Handelssystems an, ohne Zeit auf den manuellen Handel zu verwenden. Warum auch? Man kann doch in ein paar Monaten ein System programmieren und muss danach nur noch die Früchte seiner Arbeit ernten!

Aber: „Ohne Schweiß kein Preis!“ Statt mit dem Schreiben eines automatischen Handelssystems beginnen die Programmierer häufig damit, in einer ihnen unbekannten Programmiersprache zunächst von Null an die gesamte erforderliche Infrastruktur zu programmieren, den Empfang und die Verarbeitung der Kursdaten, die grafische Darstellung der Diagramme und Indikatoren, eigene Hilfsprogramme zur Strategieprüfung anhand der Kursverlaufsdaten usw.

Dabei sammeln sie viele nützliche Erfahrungen. Aber in den meisten Fällen kommen sie ihrem eigentlichen Ziel, der Erstellung eines automatischen Handelssystems, kein bisschen näher. Und selbst wenn sie den Weg bis zum Ende gehen, wer garantiert ihnen, dass das von ihnen geschriebene System gewinnbringend ist? Und wenn der Programmierer ein anderes System schreiben möchte? Dann muss alles umgemodelt werden, und er hat sich erneut mit den unvermeidlichen Programmierfehlern herumzuschlagen.

Es gibt noch einen fünften Ansatz, den Erwerb eines vorgefertigten Handelssystems in Form eines Trading Robots oder Expert-Systems. In diesem Fall ist der Händler Betreiber oder Einrichter. Dieses Variante spart viel Zeit (man muss nicht viel dazulernen) und ermöglicht, gleich zur Sache zu kommen.

Der wesentliche Mangel dieses Ansatzes entspringt seinen Vorzügen, man weiß nichts über die Arbeitsweise und den Aufbau des automatischen Systems. Und selbst wenn der Verkäufer eine ausführliche Beschreibung des in ihm umgesetzten Handelssystems mitgeliefert hat, kann man nie hundertprozentig sicher sein.

Aber eine hundertprozentige Garantie gibt es bei keinem der Ansätze, es sei denn Sie deponieren Ihr Geld bei einer Bank. Aber das ist nichts für jemanden, der sich für die Börse und die Möglichkeiten der Kapitalvermehrung durch Spekulation interessiert.


Welcher Ansatz ist der beste für einen Händler?

Jeder der fünf vorgestellten Ansätze hat seine Vorteile und entspricht einem bestimmten Händlertyp. Ohne solides mathematisches Rüstzeug dürfte kaum jemand sich für den ersten Ansatz (den Versuch der analytischen Beschreibung des Marktes) entscheiden. Gleichermaßen unwahrscheinlich ist, dass man sofort den Weg der Erstellung automatischer Handelssysteme auf der Grundlage neuronaler Netze einschlägt. Dennoch sind beide Varianten sehr reizvoll und interessant und trainieren den Verstand.

Im weiteren Verlauf dieses Beitrags werden wir lediglich den zweiten, in gewissem Sinne bereits klassischen Ansatz behandeln. Mit eben diesem beginnt die überwältigende Mehrheit der Händler ihren Weg in den automatischen Handel, da die Kenntnis der technischen Analyse nach wie vor als die Basis allen Wissens über die Grundlagen des Börsenhandels gilt.

Ein weiterer Vorzug des zweiten Ansatzes besteht darin, dass man die Instrumente der technischen Analyse schon recht gut beherrscht, wenn man selbst einige Zeit manuell gehandelt und Marktluft geschnuppert hat. Außerdem kann man sich mit der Programmierung von Handelsstrategien oder der Erstellung neuronaler Netze auf einer höheren Ebene befassen.


Erste Schritte zur Erstellung eines automatischen Handelssystems

Zur Programmierung eines automatischen Handelssystems benötigen Sie Programmiererfahrung und die Kenntnis aller Feinheiten der Verarbeitung von Handelsanfragen. Aber für den Anfang können Sie die vorgefertigten Expert-Systeme aus der kostenlosen Codebasis nutzen.

Laden Sie einfach ein Expert-System (einen Expert Advisor) herunter und rufen Sie es in dem Strategieprüfprogramm der MetaTrader 4- oder MetaTrader 5-Anwendung auf Ihrem Ausgabegerät (Client Terminal) auf. Wählen Sie anschließend im Kursverlauf einen hell dargestellten Trendabschnitt sowie einen zweiten Abschnitt aus, in dem der Kurs innerhalb eines bestimmten Bereichs flach (flat) verläuft. Führen Sie die Optimierung der Eingangsparameter des Expert-Systems aus und analysieren Sie, wie sie sich diesen beiden Abschnitten unterscheiden.

Rufen Sie das Expert-System mit den für den flach verlaufenden Kurs optimierten Parametern in dem Trendabschnitt und mit den für den Trend optimierten in dem „flachen“ Abschnitt auf. Untersuchen Sie, wie sehr sich die Handelsergebnisse, die Verteilung der Geschäftsabschlüsse und alle übrigen statistischen Parameter unterscheiden. Auf diese Weise erkennen Sie, wie stark sich das Verhalten eines Handelssystems bei einer veränderten Marktsituation ändern kann.

Wünschenswert wäre es, auf diese Weise einige klassische Handelsstrategien in unterschiedlichen Abschnitten des Verlaufs und an unterschiedlichen Finanzinstrumenten auszuprobieren. Solch ein Probelauf in dem Prüfprogramm könnte sich als hervorragende Vorbeugung zur Verhütung der Anpassung des Handelssystems an einen bestimmten Kursverlauf erweisen und zu einem besseren Verständnis des Wesens von Trend- und Gegentrendsystemen beitragen.

Der nächste Schritt könnte die Erstellung komplexerer Handelssysteme auf der Grundlage der Kombination bereits vorhandener einfacher Signale aus der Sammlung des MQL5-Assistenten sein. Sie können, ohne dazu gleich zur Programmierung greifen zu müssen, Ihre Handelsidee überprüfen und weiterentwickeln, indem Sie leistungsschwache Signale des einen Systems mithilfe eines Filters auf der Grundlage eines anderen aussortieren.

Aber auch hier kommt es darauf nicht zu übertreiben. Denn je mehr Eingangsparameter ein System aufweist, desto leichter passt es sich an. Es wurde viel darüber diskutiert, wie Optimierung und Anpassung zu unterscheiden sind. Da gibt es keine fertigen allgemeingültigen Antworten. Aber die grafische Darstellung der Ergebnisse der Prüfung bzw. der Optimierung und der gesunde Menschenverstand können womöglich hilfreich sein.

Sie müssen lernen aus dem gesamten Eingangsparameterangebot diejenigen auszuwählen, die Ihr Handelssystem beeinflussen. Achten Sie dabei nicht die zweitrangigen Parameter, die bei der Optimierung nur Zeit kosten, ohne Auswirkungen auf die Logik des Systems selbst zu haben. Denken Sie stets daran, dass ein gutes Handelssystem immer etwas Raum für Sekundärparameter lässt, dabei jedoch keine großen Ausschläge bei kleinen Veränderungen der Markteigenschaften anzeigt.

Sie können in diesem Stadium so viel Zeit verbringen, bis Sie sicher sind, dass Sie jede Handelsstrategie anhand der Ergebnisse der Prüfung und Optimierung verstehen können. Die Kenntnis der Stärken und Schwächen der herkömmlichen Systeme lässt Sie besser vorbereitet an die Erstellung Ihres eigenen automatischen Handelssystems gehen.


Programmierung eines automatischen Handelssystems

Sie haben die Programmiersprachen MQL4 und/oder MQL5 studiert oder sind dabei und stehen jetzt in den Startlöchern, um Ihr erstes Expert-System für die MetaTrader-Anwendung auf Ihrem Ausgabegerät zu schreiben. Auch hier sind mehrere Varianten möglich.

Zum Ersten können einige bereits vorhandene Expert-Systeme anhand der veröffentlichten Beiträge untersuchen, um die Feinheiten ihrer Programmierung besser zu verstehen.

Zweitens können Sie im Forum der MQL4.Community oder der MQL5.Community Fragen stellen, wenn Ihnen etwas unklar geblieben ist. Für gewöhnlich helfen erfahrene Mitglieder der Gemeinschaften Neueinsteigern gerne, wenn diese ein echtes Interesse für die Sache erkennen lassen.

Als dritte Möglichkeit können Sie über den Dienst Freie Mitarbeit die Nachbearbeitung oder Entwicklung eines Expert-Systems oder eines Indikators in Auftrag geben, wenn Sie das erforderliche Programm nicht selbst schreiben können. Doch auch wenn Sie ein Expert-System in Auftrag geben, wäre es ratsam, dass Sie sich mit den Fragen der Strategieprüfung auskennen, um eine gemeinsame Sprache mit dem Entwickler zu finden.

Außerdem ermöglichen Ihnen Grundkenntnisse der Programmiersprache später die eigenhändige Durchführung kleinerer Korrekturen oder Anpassungen am bereits fertiggestellten Code. Denn Sie werden sich nicht bei jedem auch noch so geringfügigen Problem wieder an den Programmierer wenden wollen. Es geht erheblich schneller, wenn sie sich selbst darum kümmern.


Das Rad muss nicht neu erfunden werden

Wie findet man ein eigenes Handelssystem oder wie findet man wenigstens heraus, in welcher Richtung man suchen muss? Alle Händler schützen ihre Systeme, sofern sie welche haben. Und alle Neueinsteiger träumen davon, ein eigene gewinnbringende Strategie zu entwickeln oder eine fertige zu bekommen. Dabei erscheint jede gefundene Idee viel zu simpel im Vergleich zu dem, was sich Neueinsteiger unter einem funktionierenden System vorstellen.

Wie findet man ein eigenes Handelssystem oder wie findet man wenigstens heraus, in welcher Richtung man suchen muss?

Militärangehörige aller Länder neigen zu übertriebener Geheimhaltung. Nicht umsonst gibt es darüber zahllose Witze wie den folgenden: „Ein Militärgeheimnis besteht nicht in dem, was Sie wissen“, sagt eine Ausbildungsoffizier seinen Schülern, „sondern darin, dass gerade Sie es wissen.“ Mit Handelssystemen verhält es sich genauso: die meisten Händler verwenden einfache und bekannte Handelsideen mit geringfügigen Anpassungen wie nachgezogenen Sicherheitsgrenzen (Trailing Stop) oder Bestätigungen für die Signale von Trendindikatoren.

Es gibt eine ganze Reihe geschlossener Händlerforen, in denen die gemeinsame Entwicklung oder Nachbearbeitung geheimer Handelssysteme vonstattengeht, und zu denen Normalsterbliche keinen Zugang haben. Das Interessanteste ist dabei, dass in diesen Systemen absolut nichts Geheimnisvolles zu finden ist, stets wird eine alte „klassische“ Idee der Art „Folge dem Trend“ als Grundlage benutzt und mithilfe einem breiteren Publikum bis dahin unbekannter neuer Indikatoren bis zur Vollendung weiterentwickelt.

Deshalb können Sie ruhigen Gewissens in der ursprünglichen Form zugängliche Programmcodes automatischer Handelssysteme heranziehen und ausprobieren, wie sie bei unterschiedlichen Währungspaaren und in unterschiedlichen Zeiträumen richtig eingesetzt werden. Da kommt einem sofort ein anderer Spruch in den Sinn: „Du magst keine Katzen? Dann weißt du bloß nicht, wie man sie zubereitet!“ Auch wenn es schwer fällt das zu glauben, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Sie etwas grundlegend Neues entwickeln werden, ist überaus gering. Es kommt vor allem darauf an, aus den verfügbaren Zutaten alles selbst und richtig zu machen, und nicht zu denken, irgendein Schlaumeier würde geheime Entwicklungen aus den Labors der NASA verwenden. Das ist das ganze Geheimnis des Grals.


Nicht jeder kommt ins Ziel

„Handelsideen liegen buchstäblich auf der Straße, warum hebt sie niemand auf?“ Die Antwort kennt wohl nur die Humanpsychologie. Viele Banken und große Investmentfonds beschäftigen Börsenhändler, die Geschäfte nach vorgegebenen Regeln und innerhalb bewilligter Umfänge abschließen. Seltsamerweise verlassen jedoch nur wenige institutionelle Händler ihre Unternehmen, um auf eigene Rechnung zu handeln und Geld zu machen.

Es zeigt sich, dass es nicht nur einer Handelsstrategie selbst bedarf, sondern vielmehr dem eisernen Willen, sie auch von A bis Z zu befolgen. Viele Händler mussten sich der bitteren Erkenntnis stellen, dass sie auch nur Menschen sind und unter denselben psychischen Probleme leiden, die in der einschlägigen Literatur behandelt werden. Und in dem Bewusstsein, dass der größte Feind des Händlers der Händler selbst ist, kommt der Händler vielleicht auf den Gedanken, ein automatisches Handelssystem zu schaffen, das ihm diese seelische Belastung abnimmt.

Ein wenig abseits unseres Themas möchte ich auf das Beispiel der legendären „Schildkrötengruppe“ hinweisen, die Ende des 20. Jahrhunderts auf zahlreichen Märkten erfolgreich gehandelt hat. Lesen Sie „Way of the Turtle“ (Der Weg der Schildkröte), dann werden Sie sehen, dass das Wichtigste für einen Händler eiserne Selbstdisziplin ist und nicht irgendein streng geheimes System. Und: Kaum einer wird eine gewinnbringende Strategie verfolgen können, selbst wenn sie kostenlos zu haben ist.

Das Problem besteht darin, dass die meisten im manuellen Handel erfolgreichen Strategien nur mit Mühe in Formeln gegossen und in Computersprache übersetzt werden können. Die am einfachsten zu programmierenden Strategien (z. B. für die Überschneidung von zwei gleitenden Durchschnittswerten) sind zu trivial und benötigen zahlreiche Präzisierungen und Nachbearbeitungen, bis sie wirklich brauchbar sind. Auf diese Weise wird eine einfache Idee von einer Unmenge externer Parameter überzogen, um das automatische System vor irreführenden Eingängen und für den Menschen leicht erkennbaren Fehlern zu bewahren. Daraus ergibt sich das Problem der Optimierung des Systems. Diese darf sich jedoch nicht in eine Überoptimierung und Anpassung an einen bestimmten Kursverlaufsabschnitt verwandeln.

Zum Kampf gegen die Anpassung gibt es im Prüfprogramm der MetaTrader 5-Anwendung die Möglichkeit der Vorwärts-Prüfung anhand der bei der Optimierung ermittelten Systemparameter. Wenn die Ergebnisse der Vorwärts-Prüfung nicht stark von den in dem Optimierungsabschnitt ermittelten abweichen, besteht die Hoffnung, dass das automatische Handelssystem nach seinem Start auf einem Handelskonto zumindest für eine gewisse Zeit stabil genug sein wird. Die Länge des Intervalls für die Parameteroptimierung sowie die Dauer der „gewissen Zeit“ hängen von dem jeweiligen Handelssystem ab.

Somit erinnert die Optimierung eines automatischen Handelssystems vor seinem Start im Online-Handel an das Spannen eines Katapults, je sorgfältiger wir es gespannt und das Geschoss herausgeschleudert haben, desto weiter wird es fliegen und desto genauer wird es treffen. Ein gut durchdachtes automatisches Handelssystem wird einem Handelskonto eine längere Zeit positive Ergebnisse bringen als sein infolge von Anpassung zustande gekommenes Gegenstück. Man könnte sagen, dass der „Gral“ in einer funktionierenden Idee und der rechtzeitigen Abstimmung der Parameter auf die sich ändernden Marktbedingungen besteht.

Als Illustration können die Ergebnisse der seit Jahren veranstalteten Automated Trading Championship dienen. Vor Beginn dieses Wettbewerbs durchlaufen die eingereichten Handelssysteme eine automatische Prüfung für den Zeitraum von Januar bis Ende Juli. Wichtigste Bedingung für das Bestehen dieser Prüfung ist die Erzielung eines Gewinns in den acht Monaten der Prüfung. Aber weniger als die Hälfte des zum Wettbewerb zugelassenen Systeme bleibt auch nach drei Monaten im unabhängigen Einsatz noch im Plus.

Sie können Ihre Fertigkeiten in der Erstellung und Einrichtung Ihres eigenen automatischen Handelssystems für die Teilnahme an dem Wettbewerb erproben und die Ergebnisse der Vorwärts-Prüfung Ihres Werks erhalten. Umso mehr als die Teilnahme kostenlos ist, und es handfeste Preise zu gewinnen gibt. Wie heißt es so schön: „Herzlich willkommen!“


Fazit

Professionelle Innertageshändler verbringen viele Stunden vor ihren Bildschirmen, um den richtigen Zeitpunkt zum Abschluss eines Geschäfts abzupassen. Natürlich sind sie dabei nicht immer in gleichbleibend guter Form.

Viele Händler gelangen zu der Erkenntnis, dass das, was sie beim Handel tun, häufig gegen ihre eigenen Handelsregeln verstößt. Wenn man auch nicht alle Handelssysteme vollständig automatisieren kann, so kann man für sie in der Mehrzahl der Fälle doch wenigstens Hilfsmittel in Form von Indikatoren, Analysesystemen und Signalfiltern schaffen.

Wir geben hier keine konkreten Empfehlungen bezüglich des Studiums der Programmiersprachen MQL4 oder MQL5 ab, dieses Thema wird in zahlreichen anderen Beiträgen ausführlich behandelt. Das Ziel des hier vorliegenden Artikels war die Vermittlung einer ersten Vorstellung davon, wie und womit der Anfang der Erstellung eines eigenen automatischen Handelssystems für MetaTrader 4- und MetaTrader 5-Ausgabegeräte zu machen ist.

Wir hoffen, dass dieser Beitrag Neueinsteigern hilft, Zeit zu sparen, und ihnen bei der schwierigen Aufgabe der Erstellung eines automatischen Handelssystems die richtige Richtung weist.

Übersetzt aus dem Russischen von MetaQuotes Software Corp.
Originalartikel: https://www.mql5.com/ru/articles/443

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Kaum ein Händler dürfte nicht auf dem Markt aktiv sein, um Geld zu verdienen, obwohl ein sich gewisser Teil vielleicht auch an der Teilnahme am Handelsgeschehen selbst erfreut. Aber Freude daran vermittelt nicht nur der manuelle Handel. Die Entwicklung automatischer Handelssysteme kann genauso begeisternd sein. Die Erstellung eines automatischen Expert-Systems für den Handel kann ein ebenso fesselndes Erlebnis sein, wie einen Krimi zu lesen.