Garman Klass Volatility
- Indikatoren
- Version: 1.0
- Aktivierungen: 5
# Garman-Klass-Volatilität – Ein Schätzwert, der die gesamten OHLC-Werte nutzt
*Kategorie: Volatilität | Schwierigkeitsgrad: fortgeschritten | Fenster: separates Fenster unterhalb des Charts | Märkte: universell (Devisen, Indizes, Rohstoffe, Kryptowährungen, Aktien) | Empfohlene Zeitrahmen: M15, M30, H1, H4, D1*
## Kurzbeschreibung
> Ein Volatilitätsschätzer, der Eröffnungs-, Höchst-, Tiefst- und Schlusskurse nutzt, anstatt nur Schlusskurse zu berücksichtigen. Im Vergleich zum klassischen Schätzer unterscheidet er zwischen Bewegungen innerhalb einer Kerze und Bewegungen von Schlusskurs zu Schlusskurs.
### Überblick
Die Standardabweichung der Schlusskurse lässt drei Viertel der verfügbaren Daten unberücksichtigt: Von jedem Bar-Kurs wird nur der Schlusskurs verwendet, während Eröffnungs-, Höchst- und Tiefstkurse – die dennoch beobachtet wurden – ignoriert werden. Der von Garman und Klass vorgeschlagene Schätzer nutzt alle vier Werte und liefert für dasselbe Zeitfenster eine Volatilitätsschätzung mit deutlich geringerem Fehler. In der Praxis enthalten zwanzig Balken des OHLC-Schätzers in etwa dieselben Informationen wie hundert Balken des auf Schlusskursen basierenden Schätzers. Der Indikator stellt beide Schätzwerte dar, und ihr Verhältnis ist an sich schon aufschlussreich: Ist die OHLC-Schätzung deutlich höher, bewegt sich der Markt stark innerhalb der Kerzen und kehrt dann wieder zurück – typisch für unruhige Seitwärtsphasen; ist sie niedriger, konzentriert sich die Bewegung zwischen einem Schlusskurs und dem nächsten – ein Kennzeichen für einen Trendmarkt oder einen Markt mit häufigen Kurslücken.
### So funktioniert die Berechnung
1. Für jeden Balken werden der Logarithmus des Verhältnisses von Höchst- zu Tiefstkurs sowie der Logarithmus des Verhältnisses von Schluss- zu Eröffnungskurs berechnet.
2. Der Varianzbeitrag entspricht der Hälfte des Quadrats des ersten Werts, abzüglich einer Konstante, die dem Doppelten des Logarithmus von zwei minus eins entspricht, multipliziert mit dem Quadrat des zweiten Werts.
3. Diese Konstante wird einmalig bei der Initialisierung berechnet und nicht bei jedem Balken.
4. Der Schätzer kann bei einzelnen anomalen Balken negative Beiträge erzeugen: Diese werden auf Null gesetzt, damit die Summe nicht negativ werden kann.
5. Der Mittelwert der Beiträge über das Fenster, unter Zugrundelegung der Quadratwurzel, ergibt die Volatilitätsschätzung in Prozent pro Bar.
6. Parallel dazu wird zum Vergleich die Standardabweichung der „Close-to-Close“-Renditen über dasselbe Zeitfenster berechnet.
### Anwendung
- Verwenden Sie die OHLC-Schätzung anstelle der Standardabweichung, wann immer ein Volatilitätsmaß benötigt wird: Sie ist bei gleichen Daten präziser.
- Die goldene Linie kennzeichnet einen unruhigen Markt: starke Bewegungen innerhalb der Kerzen, die sich nicht in Kursveränderungen zwischen den Schlusskursen niederschlagen.
- Die blaue Linie signalisiert einen Markt, in dem sich die Bewegung zwischen den Schlusskursen vollzieht: ein klarer Trend oder häufige Kurslücken.
- Das Verhältnis zwischen den beiden Schätzwerten ist ein hervorragender Filter für Scalper, die von den Bewegungen innerhalb der Kerzen leben.
- In kurzen Zeitfenstern zeigt sich die höhere Effizienz des OHLC-Schätzwerts deutlicher: Dort kommt der Vorteil besonders zum Tragen.
### Für wen und in welchen Zeitrahmen
Es richtet sich an Systementwickler, die ein präziseres Volatilitätsmaß suchen, auf das sie Stopps, Positionsgrößen und Filter stützen können. Das Auswerten des Verhältnisses zwischen den beiden Schätzwerten ist auch für diskretionäre Trader interessant, da es zwei Situationen voneinander unterscheidet, die auf dem Chart ähnlich aussehen. Es funktioniert von M15 bis D1. Es sollte bei Instrumenten mit unzuverlässigen Höchst- und Tiefstständen vermieden werden, wie beispielsweise bei einigen Index-CFDs, bei denen die Schatten durch den Broker-Feed und nicht durch echte Trades generiert werden.
### Praktisches Beispiel für die Interpretation eines Signals
Auf dem DAX40 M30 liegt die OHLC-Schätzung konstant vierzig Prozent über der auf dem Schlusskurs basierenden Schätzung, und die Linie ist goldfarben. Das Chart zeigt Kerzen mit sehr langen Dochten und kleinen Körpern: Der Kurs legt innerhalb jeder halben Stunde einen großen Bereich ab, schließt aber immer nahe am Eröffnungskurs. Dies ist der ideale Kontext für Range-Trader und ein schlechter für Breakout-Käufer, da jede Ausdehnung wieder abfällt. Am nächsten Tag fällt das Verhältnis unter achtzig Prozent und die Linie wird blau: Die Kerzen haben nun volle Körper und kurze Dochte. Dasselbe Instrument erfordert nun den gegenteiligen Ansatz, und das Einzige, was sich geändert hat, ist die Verteilung der Bewegung innerhalb der Balken.
## Eingabeparameter
| Parameter | Standardwert | Beschreibung |
|---|---|---|
| `InpPeriod` | 20 | Schätzfenster in Balken. Dank der höheren Effizienz des Schätzers bleiben kurze Fenster nutzbar, wo schlusskursbasierte Fenster zu verrauscht wären. |
| `InpChopRatio` | 1,30 | Verhältnis zwischen den beiden Schätzwerten, ab dem der Markt als unruhig eingestuft wird, mit starken Bewegungen innerhalb der Kerzen. |
| `InpTrendRatio` | 0,80 | Verhältnis, unterhalb dessen die Bewegung als zwischen den Schlusskursen konzentriert eingestuft wird, was typisch für klare Trends oder Kurslücken ist. |
## Vorteile / Stärken
- Es werden vier Kurse pro Balken anstelle von einem verwendet: Für dasselbe Zeitfenster weist die Schätzung einen weitaus geringeren Fehler auf.
- Es ermöglicht kurze Zeitfenster, ohne dass der Schätzwert durch Rauschen unbrauchbar wird.
- Das Verhältnis zur klassischen Schätzung liefert qualitative Informationen über die Art der Bewegung, nicht nur über deren Ausmaß.
- Kein „Repaint“ und explizite Behandlung der negativen Beiträge, die der Schätzer erzeugen kann.
## Einschränkungen und Warnhinweise
- Es wird implizit davon ausgegangen, dass keine Lücken zwischen den Balken bestehen: Bei häufigen Lücken wird die tatsächliche Volatilität unterschätzt.
- Es hängt von der Qualität der vom Broker bereitgestellten Höchst- und Tiefststände ab, die bei einigen CFDs nicht den tatsächlichen Handelsgeschäften entsprechen.
- Die Formel ist nicht intuitiv, und wer damit nicht vertraut ist, hat Schwierigkeiten zu verstehen, warum sich die beiden Werte unterscheiden.
- Die beiden Schwellenwerte für die Klassifizierung des Verhältnisses sind empirische Werte, die Sie für Ihr eigenes Instrument überprüfen sollten.
**Kein Repaint:** Die für einen geschlossenen Balken angezeigten Werte werden im Nachhinein niemals geändert.
**Haftungsausschluss.** Dieses Produkt ist ein Werkzeug zur technischen Analyse, kein automatisiertes Handelssystem, und bietet keinerlei Gewinngarantie. Finanzmärkte bergen das Risiko eines vollständigen Verlusts des investierten Kapitals. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse. Jedes Signal muss durch Ihre eigene Analyse, einen Geldmanagementplan und vorherige Tests auf einem Demokonto bestätigt werden. Der Autor übernimmt keine Verantwortung für Handelsentscheidungen, die auf der Grundlage dieses Indikators getroffen werden.
## Vorgeschlagene Tags/Schlüsselwörter für MQL5
`Volatilität`, `Garman-Klass`, `OHLC`, `Schätzer`, `Effizienz`, `Spanne`, `kein Repaint`, `quantitativ`
