ATR Long und ATR Short: Warum sich das Aufwärts- und Abwärtspotenzial unterscheiden kann
Doch Märkte bewegen sich nicht immer symmetrisch.
Ein Instrument kann über Stunden langsam steigen und während einer Risikoaversion anschließend sehr schnell fallen. Unter anderen Bedingungen können Aufwärtsbewegungen schneller verlaufen und eine größere Range zurücklegen als Abwärtsbewegungen.
Deshalb beschreibt eine einzige Volatilitätskennzahl den Markt nicht immer vollständig.
Warum Märkte asymmetrisch sein können
Auf einem Chart wirkt die gleiche Distanz nach oben und unten symmetrisch.
Das tatsächliche Preisverhalten kann jedoch deutlich anders sein.
Ein Markt kann mehrere Stunden schrittweise steigen und anschließend eine ähnliche Strecke innerhalb weniger Kerzen nach unten zurücklegen. Die Range kann vergleichbar sein, aber Geschwindigkeit und Struktur der Bewegung unterscheiden sich.
Nachrichten, Liquidität, Handelssitzung, Risikostimmung und die Eigenschaften des jeweiligen Instruments können diese Asymmetrie beeinflussen.
Dadurch kann sich das statistische Potenzial einer Aufwärtsbewegung vom Potenzial einer Abwärtsbewegung unterscheiden.
Was sind ATR Long und ATR Short?
Der Average True Range (ATR) wird üblicherweise zur Messung der Marktvolatilität verwendet.
Für die Analyse eines konkreten Trades kann es jedoch sinnvoll sein, das potenzielle Bewegungsausmaß getrennt nach Richtung zu betrachten.
ATR Long kann als Referenz für das potenzielle Aufwärtspotenzial dienen.
ATR Short kann als Referenz für das potenzielle Abwärtspotenzial dienen.
Mit Strifor Pivot ATR Target lässt sich diese Logik getrennt für Long- und Short-Szenarien betrachten.
Dadurch wird Volatilität nicht nur als eine universelle Zahl betrachtet.
Was bedeutet das für Trader?
Angenommen, ein Trader verwendet für Long und Short denselben Take Profit.
Das wirkt zunächst logisch: gleiches Risiko, gleiches Ziel und gleiche Regeln.
Wenn sich ein Instrument historisch bei Abwärtsbewegungen jedoch weiter bewegt, kann ein identisches Ziel für beide Richtungen dessen tatsächliches Verhalten unvollständig abbilden.
Die relevante Frage lautet:
Passt dasselbe Ziel tatsächlich zum Marktverhalten in beide Richtungen?
Das bedeutet nicht, dass Long- und Short-Ziele automatisch unterschiedlich sein müssen.
Die Annahme sollte vielmehr anhand historischer Daten geprüft werden.
ATR Long und ATR Short in einem Handelssystem
Eine getrennte Betrachtung der Volatilität kann bei der Entwicklung und beim Testen eines Handelssystems hilfreich sein.
Ein Trader kann vergleichen:
-
durchschnittliche Aufwärtsrange;
-
durchschnittliche Abwärtsrange;
-
Häufigkeit des Erreichens verschiedener Ziele;
-
benötigte Zeit bis zum Ziel;
-
Verhalten bei hoher Volatilität.
In ruhigen Marktphasen kann der Unterschied gering sein. Bei starken Impulsbewegungen kann die Asymmetrie deutlich stärker werden.
Praktisches Beispiel
Stellen wir uns vor, ein Trader analysiert einen Index und betrachtet sowohl ein Long- als auch ein Short-Szenario.
Strifor Pivot ATR Target zeigt unterschiedliche potenzielle Bewegungsbereiche für Long und Short.
Anstatt automatisch denselben Take Profit zu verwenden, kann der Trader die Werte mit nahegelegenen Pivot Levels und dem jüngsten Preisverhalten vergleichen.
Zum Beispiel:
Long: Entry → ATR Long → nächstes Pivot Level
Short: Entry → ATR Short → nächstes Pivot Level
Anschließend kann geprüft werden, wie diese Ziele zum Risk/Reward-Verhältnis und zu historischen Daten passen.
Der Indikator entscheidet nicht, welcher Trade eröffnet werden soll. Er liefert zusätzlichen Analysekontext.
Warum historische Daten wichtig sind
ATR Long und ATR Short sollten immer im Kontext eines bestimmten Marktes untersucht werden.
Historische Daten können zeigen:
-
ob sich die Aufwärts- und Abwärtsrange regelmäßig unterscheiden;
-
wie häufig bestimmte ATR Targets erreicht werden;
-
ob die Asymmetrie bei hoher Volatilität zunimmt;
-
ob sie zwischen Handelssitzungen variiert;
-
ob sich das Muster über verschiedene Zeiträume hält.
So lässt sich eher erkennen, ob eine Beobachtung dauerhaft oder lediglich zufällig ist.
Ein praktischer Ansatz
Es ist nicht notwendig, sofort die perfekte Einstellung zu finden.
Wählen Sie zunächst ein Instrument und einen Zeitrahmen.
Vergleichen Sie ATR Long, ATR Short, tatsächlich realisierte Ranges und verschiedene Zielgrößen.
Anschließend kann die Analyse auf weitere Zeiträume und Marktbedingungen erweitert werden.
ATR Long und ATR Short sind keine Handelssignale
Die richtungsbezogene Volatilitätsanalyse prognostiziert nicht die zukünftige Marktrichtung.
ATR Long bedeutet nicht, dass der Preis steigen muss.
ATR Short bedeutet nicht, dass der Markt fallen muss.
Es handelt sich um analytische Referenzwerte, die helfen können, das potenzielle Bewegungsausmaß unter Berücksichtigung der Richtung einzuschätzen.
ATR Long und ATR Short in MetaTrader 5
Für Nutzer von MetaTrader 5 wird dieser Ansatz praktischer, wenn ATR Long, ATR Short und weitere analytische Referenzen direkt im Chart dargestellt werden.
Strifor Pivot ATR Target ermöglicht die gemeinsame Betrachtung potenzieller Aufwärts- und Abwärtsbewegungen mit Pivot Levels und weiteren Marktdaten.
Dies kann bei der Planung von Take Profit, der Bewertung von Risk/Reward und der Entwicklung eines eigenen Handelssystems hilfreich sein.
Fazit
Volatilität ist nicht immer eine einzige universelle Zahl.
Märkte können sich bei steigenden und fallenden Bewegungen unterschiedlich verhalten. Eine separate Betrachtung von ATR Long und ATR Short kann helfen, diese mögliche Asymmetrie zu berücksichtigen.
Das Ziel ist nicht, Long und Short automatisch unterschiedlich zu behandeln.
Es geht darum, zu prüfen, ob sich der Markt tatsächlich symmetrisch bewegt, und die Ergebnisse in das eigene Handelssystem einzubeziehen.
Mit Strifor Pivot ATR Target für MetaTrader 5 können Trader Richtung, Volatilität und wichtige Preisniveaus in einer zusätzlichen Analyseebene miteinander vergleichen.


